Exkursionen

1) Qualitätsansprüche an die Stadt – Erwartungen, Leitbilder und Konzepte
Berlin | Neugewinnung der historischen Mitte vor dem Hintergrund aktueller Leitbilder und Bedarfe

Die historische Mitte Berlins, die ihren Ursprung als Doppelstadt Berlin-Cölln im Hochmittelalter hat, ist durch Kriegszerstörung, Abrisse und unterschiedliche Planungensleitbilder von verschiedenen Zeitschichten geprägt. Dazu gehören bedeutende Einzelbauten wie das Berliner Rathaus, die St. Marienkirche und der Berliner Fernsehturm. Im Zusammenhang mit dem Planwerk Innere Stadt von 2010 und weiteren darauf aufbauenden kleinräumlichen Konzepten erfolgt eine Neustrukturierung der Berliner Mitte in Anlehnung an den historischen Stadtgrundriss und unter heutigen Nutzungsbedarfen und Vorstellungen. Um ein Identitätsgefühl und Mitwirkungsmöglichkeiten bei der künftigen Gestaltung zu schaffen, wurde im vergangenen Jahr ein breiter Beteiligungsprozess unter dem Motto „Alte Mitte – neue Liebe?“ durchgeführt. Die dabei entstandenen Bürgerleitlinien sind eine zentrale Arbeitsgrundlage im Rahmen der künftigen Stadtentwicklung.

Exkursionszeitraum 10.00-12.30 Uhr

 

2) Städtische Identität – Aneigung der Stadt durch Bewohner, Besucher und Akteure
Berlin | Der Flughafen Tempelhof und sein Umfeld zwischen Erinnerung, Aneignung und Nutzungsbedarf

Der Flughafen Tempelhof – das größte Baudenkmal Europas – hat eine wechselvolle Geschichte erlebt: Zwischen 1936 und 1941 unter Leitung des Architekten Ernst Sagebiel erbaut, gilt der Gebäudekomplex bis heute als monumentales Zeugnis des Nationalsozialismus. Durch die Luftbrücke von 1948/1949 ist er gleichzeitig ein Symbol der Freiheit. Nach seiner Nutzung durch die US Air Force und anschließend die zivile Luftfahrt, wurde der Flugbetrieb 2008 eingestellt. Seitdem haben sich Bewohner, Besucher und ansässige Unternehmen den Flughafen angeeignet – als Erinnerungsort, Event Location und Standort der Kreativwirtschaft. Mit der Öffnung des Tempelhofer Feldes im Jahr 2010 ist die mehr als 300 Hektar große Freifläche Treffpunkt und Möglichkeitsraum geworden und prägt damit das städtische Lebensgefühl.

Exkursionszeitraum 10.00-12.30 Uhr

 

3) Gebaute Stadt – Bestand als Wert:
Wustermark / OT Elstal | Bestandserhalt und Weiterentwicklung im Olympischen Dorf

Im Vorfeld der XI. Olympischen Sommerspiele, die 1936 in Berlin stattfanden, wurde das Olympische Dorf als temporäre Wohnstätte für 4.000 Athleten errichtet. Anschließend wurde die Anlage – wie bereits im Vorfeld geplant – militärisch genutzt. Der Architekt Werner March legte dennoch großen Wert auf eine hohe städtebauliche und freiraumplanerische Qualität des Areals. Heute sind die historischen Betandsgebäude trotz der Ausweisung als Flächendenkmal und großem internationalen Interesse vom Verfall bedroht. Für einen dauerhaften Erhalt sichern die verantwortlichen Akteure vor Ort die Bausubstanz unter Einbeziehung von Fördermöglichkeiten und entwickeln künftige Nutzungsperspektiven.

Abfahrt am bcc: 9.00 Uhr | Rückkehr: 13.30 Uhr (Exkursionszeitraum 10.00-12.30 Uhr)

 

4) Governance – Entscheidung, Partizipation und Umsetzung
Potsdam | Leitvorstellungen, Entscheidungs- und Beteiligungsstrukturen in der Stadtsanierung

Die Wiedergewinnung der historischen Stadtmitte ist das umfangreichste Stadterneuerungsprojekt der Landeshauptstadt Potsdam und wurde bereits 1990 von der Potsdamer Stadtverordnetenversammlung beschlossen. Seit 2010 erfolgt die Wiederannährung an den historischen Stadtgrundriss auf Basis des Integrierten Leitbautenkonzeptes. Die stadtbildprägenden wiederhergestellten Gebäude wie der Landtag oder auch der Palast Barberini bilden dabei einen starken Kontrast zur vorhandenen Nachkriegsarchitektur. Die Rekonstruktion des barocken Stadtbildes und der damit vorgesehene Abriss der Fachhochschule aus den 1970er Jahren haben eine intensive Stadtdebatte zwischen städtischen Akteuren, Stadtgesellschaft und Investoren entfacht. Mittelpunkt dessen sind nicht nur unterschiedliche Leitvorstellungen und langfristige Entscheidungsprozesse in der Stadtentwicklung, sondern auch die Bedeutung einzelner Zeitschichten für die Stadtidentität.

Exkursionszeitraum 10.00-12.30 Uhr

 

5) Instrumente – Werkzeuge für Bauen, Stadtentwicklung und Denkmalpflege
Dresden | Stadtentwicklung zwischen Barock und Nachkriegsmoderne am Beispiel des Neumarktes

Der Dresdner Neumarkt spielte schon immer eine große Rolle in der Stadtgeschichte – einst ein Zeugnis barocker europäischer Stadtbaukunst, wurden seine Bebauung und die angrenzenden innerstädtischen Quartiere am Ende des Zweiten Weltkrieges nahezu völlig zerstört. Die Diskussion zum Wiederaufbau mündet schließlich nach der Deutschen Wiedervereinigung im Planungsleitbild Innenstadt, das die Wiederherstellung bedeutender Baudenkmale und des Raumkontinuums forcierte. Mit dessen Fortschreibung konzentriert sich die Stadt Dresden auf die Wiederbelebung der urbanen Qualitäten in der Innenstadt: kompakt, durchmischt, durchgrünt. Neben der Rekonstruktion historisch wertvoller Gebäude werden mit Hilfe von Wettbewerben moderne Ergänzungsbauten realisiert und Zeugnisse anderer Zeitschichten, wie der Nachkriegsmoderne, in die Planungen integriert.

Abfahrt am bcc: 8.00 Uhr | Rückkehr: 17 Uhr (Exkursionszeitraum 11.00-14.00 Uhr)

 

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2. Europäischer Kongress - Die europäische Stadt und ihr Erbe
Thema: Zeitschichten der europäischen Stadt //
8. - 9. Dezember 2016 bcc Berlin